Die sicherste Investition der Welt

Die sicherste Investition der Welt

Seit die Finanzkrise um sich greift, erlebt Gold als Investment eine Renaissance. Es schützt

vor Inflation und verspricht für die nächsten Jahre eine anständige Rendite. Manche Anleger

stehen sogar Schlange für echte Barren und Münzen

So etwas hat Volker Scheil in seiner zwanzigjährigen Laufbahn als Edelmetallhändler noch nicht erlebt. "Egal ob

 

Krügerrand oder Kilobarren - die Leute reißen uns alles aus der Hand, was glänzt", sagt er. Vor dem Schalter der

Firma Pro Aurum in der unscheinbaren Filiale in der Berliner Torstraße bildeten sich in den vergangenen

Wochen zeitweise sogar lange Warteschlangen. Scheils Kunden wollen in eine der sichersten Geldanlagen der

Welt investieren: in Gold.

Pro Aurum handelt mit dem Metall, und zwar in Echtausführung, nicht nur auf dem Papier. Und seit im Juli

Schlagzeilen über eine sich ausweitende Finanzkrise die Anlegerwelt erschüttern, kann sich die Firma kaum

noch vor Kunden retten. Die Nachfrage ist so schnell gestiegen, dass der Preis für das gelbe Metall am

vergangenen Freitag auf bis zu 717 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) hochschnellte. Damit fehlen nur noch rund

13 Dollar zum 25-Jahres-Hoch aus dem Mai vergangenen Jahres.

Martin Siegel vom Internet-Edelmetallhandelshaus Westgold weiß Ähnliches zu berichten wie sein Kollege in

Berlin: "Von manchen Münzen und Barren verkaufen wir dieses Jahr fünfmal so viel wie noch 2006."

Der Ansturm auf physisches Gold ist Ausdruck der Unsicherheit, die die Sparer erfasst hat. "Nach den

Hiobsbotschaften rund um die IKB und die SachsenLB haben viele Leute das Vertrauen in das Bankensystem

verloren", sagt Siegel, der auch den auf Bergwerksaktien spezialisierten Investmentfonds PEH-Q-Goldmines

lenkt. Tatsächlich mussten Anleger in den vergangenen Wochen erleben, dass fast alle Formen der Geldanlage in

Mitleidenschaft gezogen wurden. Nicht nur Aktien litten unter dem Vertrauensverlust, sondern auch

Unternehmensanleihen und sogar manche Geldmarktfonds. Von Hedgefonds und US-Immobilieninvestments

ganz zu schweigen.

Allein das Edelmetall widerstand dem Sturm. "Gold hat in der Krise gezeigt, dass es allen Unkenrufen zum

Trotz immer noch der sichere Hafen ist, der es auch bei früheren Finanzmarktturbulenzen war", sagt Frank

Schallenberger, Rohstoffanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Seit dem Beginn der Krise hat der

Rohstoff dank des Nachfrageschubs acht Prozent an Wert gewonnen.

Marktbeobachter haben keinen Zweifel, dass die Notierungen weiter anziehen werden. "Die Marke von 730

Dollar wird schon bald fallen", sagt Schallenberger. Jenseits davon gebe es aus markttechnischer Sicht keinen

Widerstand mehr. "Ist diese Schwelle erst überwunden, werden spekulative Akteure wie Hedgefonds auf den

Trend aufspringen und den Preis weiter hochtreiben", sagt Commerzbank-Stratege Eugen Weinberg.

Rohstoffexperten wie Schallenberger oder Siegel sind davon überzeugt, dass die bisherige Bestmarke vom

Januar 1980 in absehbarer Zeit übertroffen werden kann. In der Inflationsangst der frühen 80er-Jahre war der

Preis kurzfristig auf 850 Dollar hochgeschnellt, um kurz darauf stark zurückzufallen. Es folgte ein sich über zwei

Dekaden erstreckender Bärenmarkt, der erst 2001 - nach dem Platzen der New-Economy-Blase - sein Ende fand.

Ebenso wie vor 27 Jahren hat auch heute die Furcht vor steigenden Preisen einen Anteil an dem Run auf das

gelbe Metall. "Zwar sehen die offiziellen Inflationszahlen für Europa und Nordamerika noch moderat aus, doch

deutet nicht zuletzt das Hochschnellen der Lebensmittelpreise auf breiter Front darauf hin, dass sich dies bald

ändern wird", sagt Reinhard Hellmuth von der Vermögensverwaltung I.C.M. in Berlin.

Dem Portfoliomanager und Goldkenner zufolge steht der Preisauftrieb beim Gold erst am Anfang. "Der USNotenbank

Federal Reserve wird diese Woche kaum etwas anderes übrig bleiben, als den Leitzins zu senken, um

die Kreditkrise zu entschärfen. Das wird die Währung weiter schwächen und den Geldwertverfall

beschleunigen." Erst vergangene Woche war der Dollar gegenüber den wichtigsten Valuten der Welt auf ein

historisches Tief gefallen.

Auch Schallenberger hat keinen Zweifel, dass der Greenback schwächer und das Gold stärker werden wird. Das

Edelmetall verhält sich in vieler Hinsicht wie eine Antiwährung zur US-Devise: "Schwindet das Vertrauen in

den Dollar, wird das gelbe Metall in der Finanzwelt umso populärer."

Doch Gold profitiert nicht nur von der Angststimmung. Auch die Angebots- und Nachfragesituation spricht

eindeutig für steigende Preise. "Die Produktion hinkt dem Verbrauch schon seit Jahren hinterher", sagt

Weinberg. Nur die Verkäufe der Notenbanken hätten die Lücke gefüllt. "Einige verkaufswillige Notenbanken

können den Goldpreis noch eine Zeit lang drücken, aber diese Ära geht unweigerlich zu Ende", sagt Siegel. Er

glaubt sogar, dass in diesem Jahrzehnt noch ein Niveau von 1000 Dollar erreicht werden kann.

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